H A S E  Heidelberger Auditives Screening in der Einschulungsuntersuchung

Monika Brunner und Hermann Schöler


Normiertes, standardisiertes und sehr zeitökonomisches Screeningverfahren für die Früherkennung von Kindern mit Sprach- bzw. Schriftspracherwerbsstörungen. Ermittlung von Frühförderbedarf in Bezug auf möglich spätere Lese- und Rechtschreibstörungen im Rahmen der Einschulungsuntersuchung, in Kindergärten, in der Logopädischen, Psychologischen oder Kinderärztlichen Praxis und der U9. Der Zeitbedarf liegt bei ca. 10 Minuten. Einsatzbereich: Screening zur Früherkennung von Spracherwerbs- oder LRS-Problemen  für Kinder im Alter von 4-7 Jahren.

 

 

Die einzelnen Tests auf einen Blick:


• Wiedergeben von Zahlenfolgen Prüfung der Hörmerkspanne
• Erkennen von Wortfamilien Prüfung der semantischen Strukturerfassung

   von Sprache
• Nachsprechen von Kunstwörtern Prüfung der Funktionstüchtigkeit des

   phonetischen Speichers

H A S E
Einzelpreis in EUR: 148,- + MwSt. 

                             
Umfang: Audio-CD, Bildmaterial,  Handbuch, Software zur Steuerung und Auswertung des HASE-Test 
 

                   
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Einführung

 

Die Früherkennung von Teilleistungsschwächen oder -störungen hat eine hohe individuelle aber auch sozialpolitische und ökonomische Bedeutung. Um schulvermittelte Kulturtechniken erlernen zu können, müssen Kinder über basale Fähigkeiten und Fertigkeiten verfügen. Dazu gehören ausreichende Körperkoordination, visuelle und auditive Wahrnehmung und Visuomotorik, Sprach- und Kommunikationsfähigkeiten sowie eine Reihe von spezifischen Vorläuferfertigkeiten wie die phonologische Bewusstheit für den Schriftspracherwerb oder ein bestimmtes Mengenverständnis für den Erwerb mathematischer Fähigkeiten. In weniger als der Hälfte aller Fälle werden Schulleistungsrisiken im Rahmen der U9-Vorsorgeuntersuchung durch die Haus- und Kinderärzte erfasst. Daher könnte die Schuleingangsuntersuchung, die in den meisten Bundesländern eine Pflichtuntersuchung war und ist, für die Früherkennung schulrelevanter Teilleistungsstörungen genutzt und weiterentwickelt werden, um Entwicklungsauffälligkeiten festzustellen und notwendige Maßnahmen bei Förderbedarf anzuregen. Im Sinne einer, wenn auch relativ späten Prävention kann die Schuleingangsuntersuchung zur Schaffung angemessener Entwicklungsbedingungen für Kinder beitragen. Darüber hinaus können in einer Gesundheitsberichterstattung schul- und gesundheitsrelevante Probleme bzw. Trends beschrieben und für effektive gezielte kommunale Gesundheitspolitik nutzbar gemacht werden, um beispielsweise gezielte Weiterbildungen anzubieten, die zu einer verstärkten Förderung in sprachlichen und motorischen Bereichen im Kindergarten anregen könnten. In einer Reihe von Städten (z. B. Münster und Mannheim) dient die Einschulungsuntersuchung bereits seit vielen Jahren diesen Zwecken.

Je früher präventive oder Frühfördermaßnahmen ergriffen werden können, umso besser sind die Aussichten auf Erfolg. Daher sollen in verschiedenen Bundesländern solche flächendeckenden Untersuchungen nicht erst im letzten Kindergartenjahr, sondern bereits ein bis zwei Jahre früher erfolgen. Seit der Erstauflage von HASE hat sich hierzu einiges in den Bundesländern getan: Jedes Bundesland versucht mittlerweile, durch einen eigenen Weg Kinder frühzeitiger als bisher zu erfassen. Dabei stehen bei den eingesetzten Screenings meist die sprachlichen Fähigkeiten im Vordergrund. In Baden-Württemberg erprobt man zurzeit mit dem Projekt »Schulreifes Kind« und der zweischrittigen Neukonzeption der »Einschulungsuntersuchung« die frühzeitigere Erfassung von Risikokindern bereits im Alter von vier bis fünf Jahren und entsprechend frühere Möglichkeiten der Intervention (Regierungspräsidium Stuttgart. Landesgesundheitsamt [LGA], 2006). Die Neukonzeption sieht vor, dass die ESU in zwei Schritten durchgeführt wird: Der erste Schritt findet 24 bis 15 Monate vor der regulären Einschulung statt, d. h. die erste Untersuchung erfolgt demnach im vorletzten Kindergartenjahr, damit Risiken bei Kindern frühzeitiger erkannt und entsprechende Interventionen begonnen werden können. Die zweite Untersuchung erfolgt wie bisher im letzten Kindergartenjahr mit dem Ziel der Feststellung der gesundheitlichen Schulreife.

Auch wenn die Angaben über die
Zahl der Sprach- und  Schriftspracherwerbsstörungen dramatisch variieren (die Spanne reicht von 5% bis nahezu 50%) gilt als gesichert, dass bei einem nicht zu vernachlässigenden Anteil einer Jahrgangspopulation eine Störung des Schriftspracherwerbsprozesses vorliegt. Wurden früher vor allem defizitäre visuell-räumliche Fähigkeiten als verursachend postuliert, so wird heute eine Störung der auditiven Wahrnehmung als zumindest mitbedingend für einen Großteil der Lese-/Rechtschreibschwäche (LRS) bzw. Legasthenie angenommen (vgl. u. a. Beckenbach, 1998; Dummer-Smoch, 2007; zsf. Hasselhorn, Schneider & Marx, 2000; Wimmer & Landerl, 1998). Längsschnittliche Studien bei Sprachentwicklungsauffälligkeiten (vgl. u. a. Aram, Ekelman & Nation, 1984; Aram & Nation, 1980; Brunner, 2007; s. auch den Überblick in Fromm, Schöler & Scherer, 1998, und in Schecker et al., 2007) hatten verdeutlicht, dass viele spracherwerbsgestörte Kinder (SSES) im Schulalter ebenfalls Probleme beim Lesen und Schreiben zeigen. Eine der zur Zeit am besten abgesicherten Hypothesen für einen Teil der Sprachentwicklungsauffälligkeiten – und somit auch einen Teil der LRS – besteht in der Annahme einer defizitären phonologischen Schleife als Subsystem des Arbeitsgedächtnisses (vgl. u. a. Gathercole & Baddeley, 1990; Hasselhorn et al., 2000; zsf. Hasselhorn & Werner, 2000). Evidenzen für diese Annahme liefern auch die umfangreichen Heidelberger Untersuchungen zur Spezifischen Sprachentwicklungsstörung (vgl. u. a. Schöler, 1985; Schöler, Fromm & Kany, 1998; Schöler, Roos & Fromm, 2003).

Für
Untersuchungen wie »Einschulungsuntersuchung«3 oder U9, bei denen die Jahrgangspopulationen oder große Teile ohnehin zur Untersuchung anstehen, ist ein Screening gesucht, mit dem schnell und dennoch zuverlässig Störungsformen »herausgesiebt« werden können. Gefordert ist ein Screening, das ausreichende prognostische Validität besitzt und sowohl den Gütekriterien der Objektivität, Reliabilität und Validität als auch denjenigen der Ökonomie und Nützlichkeit genügt. Ein solches Verfahren muss einerseits sehr schnell durchführbar, auswertbar und interpretierbar sein, andererseits recht handhabungssicher bzw. robust sein, damit relativ wenige Durchführungs-, Auswertungs- und Interpretationsfehler auftreten können. Zwar existieren einige standardisierte Verfahren (zu einem Überblick s. Kany & Schöler, 2007), die aber in der Regel nur bestimmte Sprach- oder Schriftsprachleistungsbereiche überprüfen und nicht solche Leistungsbereiche beinhalten, die sich aufgrund neuer Erkenntnisse als Vorläuferfertigkeiten (wie beispielsweise die phonologische Bewusstheit und rhythmische Fertigkeiten) oder als relevante zugrunde liegende Fähigkeiten (wie prozessuale und strukturelle Merkmale der auditiven Kurzzeitverarbeitung) herausgestellt haben.

Das Heidelberger Auditive Screening in der Einschulungsdiagnostik HASE schließt die Lücke zwischen den zeitaufwändigeren Verfahren, wie sie mit dem HVS (Brunner et al., 2001), dem BISC (Jansen et al.,1999), mit umfangreichen Inventaren wie IDIS (Schöler, 1999) vorliegen, denn bei der »Einschulungsuntersuchung« muss in einem kleinen Zeitfenster von etwa 10 bis maximal 15 Minuten eine Risikoabklärung für bestimmte sprachliche bzw. schriftsprachliche Leistungsbereiche erfolgen; diese Zeitnot besteht wohl auch in der kinderärztlichen Praxis.

Anmerkung 3: Für die neuen, bereits im Alter ab vier Jahren durchgeführten flächendeckenden Untersuchungen in einer Reihe von Bundesländern ist die Bezeichnung »Einschulungs«-Untersuchung sicher nicht mehr angemessen, sie wurde aber in Baden-Württemberg beibehalten (s. z. B. LGA, 2006).

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